Nach Mähdrescher-Unfall bei Rostock: Adrian B. kämpft sich zurück ins Leben
Gut drei Jahre nach dem schweren Mähdrescher-Unfall bei Rostock rückt das Schicksal des Landwirts Adrian B. erneut in den Blick. Er verlor am 19. August 2023 beide Beine, die Amputation fand noch auf dem Feld statt. Nach den zuletzt verfügbaren Berichten arbeitet er wieder auf demselben Betrieb. Aktuelle Angaben zu seinem Befinden liegen dem Autor dieses Textes nicht vor.
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Der Unfall im August 2023
Der Unfall ereignete sich auf einem Feld von Gut Hohen Luckow im Landkreis Rostock mitten in der Ernte. Nach Angaben der Polizei wollten drei Beschäftigte vor dem Weiterarbeiten den Korntank des Mähdreschers leeren und stellten dabei eine technische Störung fest. Adrian B., damals 25 Jahre alt und Mitarbeiter in leitender Position, stieg mit einer Schaufel auf den Mähdrescher, um die Verstopfung zu beseitigen. Dabei rutschte er ab und geriet mit den Beinen in die Förderschnecken im Tank.
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Rettungskräfte und Ärzte versorgten ihn mehrere Stunden vor Ort. Um sein Leben zu retten, mussten ihm beide Beine noch im Mähdrescher amputiert werden. Am Montag nach dem Unfall teilte das Krankenhaus mit, er sei außer Lebensgefahr. Die Polizei ermittelte zunächst wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung.
Spendenwelle in der Landwirtschaft
Der Unfall erschütterte die gesamte Branche. Die Familie startete bereits einen Tag später eine Spendenaktion im Internet, auch der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern rief zu Spenden auf. Nach Berichten von „top agrar“ kamen mehr als 191.000 Euro zusammen. Das Geld sollte unter anderem helfen, Wohnung und Lebensumfeld umzubauen.
Wenige Wochen nach dem Unfall meldete sich Adrian B. selbst zu Wort und bedankte sich bei Spendern, Kollegen und Freunden. Er arbeite daran, sich „sein altes Leben Stück für Stück zurückzuholen“, schrieb er. Landesagrarminister Till Backhaus (SPD) forderte die Hersteller von Landtechnik damals auf, technische Lösungen zu finden, damit solche Unfälle nicht mehr passieren.
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Strafverfahren eingestellt, Freundschaft bleibt
Die Staatsanwaltschaft klagte einen Kollegen wegen fahrlässiger Körperverletzung an. Am 25. September 2024 stellte das Amtsgericht Rostock das Verfahren jedoch ein, weil kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung bestehe. Adrian B. hatte als Zeuge ausgesagt und keinen Strafantrag gestellt. Er hegte keinen Groll gegen den Kollegen, beide seien weiterhin befreundet. Auch Schmerzensgeld verlangte er nicht.

Vor Gericht schilderten beide Männer, sie seien zwar auf die Arbeit am Mähdrescher vorbereitet gewesen, nicht aber auf eine Störung wie am Unglückstag. Laut Polizei hätte die Maschine eigentlich abschalten müssen, wenn niemand auf dem Fahrersitz sitzt. Weil dort eine Erntehelferin blieb, lief sie jedoch weiter.
Zurück im Beruf
Zum Prozess erschien Adrian B. im Rollstuhl und fuhr nach Berichten des „Nordkurier“ sicher und ohne Hilfe zum Zeugenplatz. Er erzählte, er sei in der Universitätsmedizin gut behandelt worden und habe danach eine fünfwöchige Reha absolviert. Das Haus seiner Eltern sei umgebaut worden, seine Freundin sei bei ihm geblieben. Der studierte Agrarwissenschaftler arbeitet nach eigenen Angaben auf dem Gut vor allem im Büro und hat Freude an seiner Aufgabe.
Bereits im Sommer 2024 berichtete die „Ostsee-Zeitung“, er sei mit Prothesen wieder voll einsatzfähig. Der Betriebsleiter zeigte sich beeindruckt von seiner positiven Haltung und erinnerte sich, dass Adrian schon eine Woche nach dem Unfall allen Mut gemacht habe.
Was Landwirte daraus mitnehmen können
Der Fall führt vor Augen, wie gefährlich Arbeiten an laufenden Erntemaschinen sind. Wer Störungen beseitigen will, sollte Motor und Antrieb vollständig abstellen, den Zündschlüssel abziehen und sich nie allein in Tanks oder Schnecken begeben. Gerade in der Erntezeit mit langen Arbeitstagen steigt der Druck, schnell weiterzuarbeiten. Die Hersteller sind aus Sicht der Politik gefordert, zusätzliche Sicherungen zu entwickeln.
Was offen bleibt
Wie es Adrian B. heute geht, lässt sich aus den vorliegenden Berichten nicht sagen. Sicher ist: Sein Weg hat in der Landwirtschaft eine Debatte über Arbeitssicherheit angestoßen und viele Menschen berührt.
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