Aktionstag: Hunderte protestieren an Flughäfen gegen Abschiebungen

Aktionstag: Hunderte protestieren an Flughäfen gegen Abschiebungen

Bei einem bundesweiten Aktionstag haben am Samstag, 24. Oktober 2026, mehrere Hundert Menschen an Flughäfen gegen Abschiebungen und Abschiebehaft demonstriert. Aufgerufen hatte ein Aktionsbündnis unter dem Motto „Bundesweit gegen Abschiebewahn“, Proteste waren an sieben Flughäfen angekündigt. Die Teilnehmenden fordern einen sofortigen Abschiebestopp und wenden sich gegen den Ausbau der Infrastruktur für Abschiebungen. Besonders im Fokus standen geplante „Abschiebeterminals“ in München und Frankfurt sowie Abschiebeflüge nach Afghanistan.

Der Text geht unter der Werbung weiter.

Die Zahlen

Nach Angaben der dpa schätzte die Polizei die Teilnehmerzahl in Leipzig auf rund 400, in Frankfurt auf rund 300 und in Berlin-Brandenburg auf rund 150. An den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf zählte die Polizei jeweils rund 50 Menschen, das Aktionsbündnis ging von höheren Zahlen aus. In der Nähe des Münchner Flughafens in Oberding protestierten nach Berichten gut 700 Menschen. Parallel gab es Kundgebungen in weiteren Städten, darunter Bielefeld und Hannover. Von Zwischenfällen war in den vorliegenden Berichten nicht die Rede.

Der Text geht unter der Werbung weiter.

Was die Demonstranten fordern

Eine Sprecherin des Bündnisses sagte:

„Wir fordern einen sofortigen Abschiebestopp, weil Schutzsuchende ein Recht auf Asyl haben.“

Sprecherin des Aktionsbündnisses, laut dpa

Der Text geht unter der Werbung weiter.

Dass ausgerechnet die Bundesregierung dieses Recht missachte und bei Abschiebungen mit den Taliban zusammenarbeite, nannte sie fürchterlich. Das Geld für Abschiebungen solle stattdessen in die Integration von Geflüchteten fließen. Das Netzwerk „We’ll come united“, das in Frankfurt mit regionalen Gruppen zum Protest aufgerufen hatte, wendet sich zugleich gegen die geplanten „Abschiebeterminals“. Auch am Münchner Flughafen soll ein solches Terminal entstehen, um Abschiebungen zu beschleunigen und zu erleichtern. Dagegen hatte die Kampagne „Abschiebeterminal MUC verhindern!“ mobilisiert.

Warum Leipzig und Afghanistan im Mittelpunkt standen

Vom Flughafen Leipzig/Halle sind in diesem Jahr bereits mehrfach Abschiebeflüge nach Afghanistan gestartet. Nach Behördenangaben saßen an Bord zumeist Straftäter. In Leipzig ging es den Demonstranten deshalb um diese Charterflüge. Abschiebungen nach Afghanistan sind politisch und rechtlich umstritten, weil Kritiker die Sicherheitslage und die Zusammenarbeit mit der Taliban-Regierung ablehnen. Befürworter verweisen auf die Pflicht zur Ausreise, wenn ein Asylantrag rechtskräftig abgelehnt wurde.

EU baut Rückführungen aus

Die Proteste fallen in eine Phase, in der die EU Rückführungen ausweiten will. Nach Angaben von EU-Migrationskommissar Magnus Brunner ist die Zahl der Rückführungen im laufenden Jahr deutlich gestiegen. Die EU will zudem die Grenzschutzagentur Frontex zur zentralen Abschiebeagentur ausbauen. Welche Folgen das für deutsche Flughäfen hat, ist offen. Aus den Berichten geht nicht hervor, wann die „Abschiebeterminals“ gebaut werden sollen und wer sie betreibt.

Wie es weitergeht

Das Bündnis kündigte keine unmittelbaren Folgeaktionen an. Gegen einzelne Abschiebeflüge ist weiterer Protest absehbar, besonders in Leipzig, wo Aktivisten in den vergangenen Jahren immer wieder gegen Sammelabschiebungen demonstriert haben. Bei den Plänen für die „Abschiebeterminals“ sind Bund, Länder und Flughafenbetreiber gefragt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert