Anti-AfD-Video einer Apothekerin: Was in Bielefeld seitdem passiert ist
Eine Bielefelder Apothekerin hat Anhänger der AfD in einem Video gebeten, ihre Apotheke zu meiden. Seitdem gibt es Zuspruch und Anfeindungen, schlechte Online-Bewertungen, Bedrohungen und einen Fall für den Staatsschutz. Elisabeth Kutter, Inhaberin der Panda-Apotheke an der Radrennbahn, sagt zugleich, ihr Umsatz habe sich verdoppelt. Diese Angabe stammt von ihr selbst, einen Zeitraum nennt sie nicht, überprüfen lässt sie sich nicht.
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Was Kutter gesagt hat
Mitte Oktober 2026 veröffentlichte Kutter auf Facebook und Instagram einen „politischen Post“. Sie sagte, wer die AfD wähle oder mit ihr sympathisiere, solle ihre Apotheke, ihr Team und ihr Umfeld meiden. Sie wolle mit diesen Menschen nichts zu tun haben. Ihre Apotheke ließ sie zudem auf der Seite „Wirtschaft widerspricht“ eintragen, einem Verzeichnis von knapp 180 Unternehmen, die die AfD ablehnen.
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Einen Tag später stellte sie klar: Auch AfD-Anhänger würden bedient, bekämen Medikamente und denselben Service. Sie seien nur nicht willkommen. Apotheken unterliegen einem Kontrahierungszwang und dem Versorgungsauftrag und müssen alle Kunden versorgen. Kutter sagt, sie wolle damit nicht dagegen verstoßen. Ihre Äußerung sei vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.
Die Folgen
Nach eigenen Angaben fiel die Google-Bewertung der Apotheke von 4,7 auf 3 Sterne. Kutter berichtet von Beleidigungen, Drohungen und anhaltenden Anrufen, die Kriminalpolizei und der Staatsschutz sind eingeschaltet. Auch ein anderer Bielefelder Apotheker, Jakob Köhler, wurde zeitweise mit schlechten Bewertungen überzogen, obwohl er mit dem Video nichts zu tun hatte. Zugleich bekam Kutter laut „Pharmazeutischer Zeitung“ breite Zustimmung. Kritik kam auch aus dem Berufsstand.
„Meine Apotheke ist kein politischer Ort.“
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Elisabeth Kutter in einem weiteren Video, laut „Pharmazeutischer Zeitung“

Am Donnerstag, 22. Oktober, baute die AfD nach Medienberichten einen Infostand vor der Apotheke auf. Dagegen formierte sich ein Gegenprotest. Dabei traten unter anderem Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann und die frühere NRW-Familienministerin Christina Kampmann (SPD) auf. Kampmann nannte die Apotheke ein Symbol des Widerstands gegen die AfD.
„Umsatz verdoppelt“: was dahintersteckt
Im Gespräch mit der „Pharmazeutischen Zeitung“ sagte Kutter am 23. Oktober, das Positive für alle zusammen sei, dass der Umsatz sich verdoppelt habe. Belege nannte sie nicht. Offen bleibt, ob es sich um einen kurzfristigen Effekt durch die große Aufmerksamkeit, zusätzliche Bestellungen aus ganz Deutschland oder ein dauerhaftes Plus handelt. Auch die Frage, ob dies Kunden betrifft, die aus Zustimmung kommen, oder einfach mehr Bestellungen, lässt sich nicht beantworten. Die schlechten Bewertungen und der Hass im Netz zeigen jedenfalls, dass der Effekt gegensätzlich wirkt.
Der Streit dahinter
Kutter begründet ihren Schritt damit, dass sie die Ansichten der AfD, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird, nicht unterstützen wolle. Kritiker aus dem rechten und konservativen Spektrum sowie Teile der Apothekerschaft sehen darin eine Gesinnungsprüfung und fragen, wie sich AfD-Anhänger in einer Apotheke fühlen sollen, die zur Daseinsvorsorge gehört. Die AfD selbst wird bei Wahlen von Millionen Menschen gewählt, bei der Bundestagswahl 2025 von 20,8 Prozent der Wähler.
Wie es weitergeht
Ob der Staatsschutz Tatverdächtige ermittelt, ist offen. Kutter sagte, sie würde sich wieder so entscheiden. Der Fall zeigt eine wachsende Debatte darüber, wie weit Unternehmen politische Haltung zeigen dürfen, ohne ihren Versorgungsauftrag zu verletzen.
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