Trump-Auftritt von Audi-Chef Döllner: VW-Betriebsratschefin Cavallo übt scharfe Kritik
Die VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo hat den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. Wer die Rede gehört habe und miterlebt habe, dass Döllner Teil der Veranstaltung wurde, müsse sich in Grund und Boden schämen, sagte sie laut dpa in einem internen Interview. Den geplanten Bau eines Audi-Werks in den USA bewertet sie dagegen nüchterner. Der VW-Aufsichtsrat hat dem Projekt noch nicht zugestimmt.
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Worum es geht
Trump hatte am Samstag, 24. Oktober, bei einer Wahlkampfveranstaltung in Perry im US-Bundesstaat Georgia überraschend den Bau eines Audi-Werks angekündigt. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung. Nach Audi-Angaben sollen rund vier Milliarden Dollar in ein Werk nahe Macon fließen, rund 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Döllner ist zugleich Mitglied des Konzernvorstands in Wolfsburg und verantwortet dort die Markengruppe Progressive mit Audi, Bentley, Lamborghini und Ducati.
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Cavallos Vorwürfe
Cavallo zählte in dem Interview auf, wofür Trump aus ihrer Sicht stehe, darunter Sexismus, Fremdenhass, Transphobie und die Verächtlichmachung der Demokratie.
„…tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe.“
Daniela Cavallo, VW-Konzernbetriebsratschefin, in einem internen Interview, laut dpa
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Sie warf zudem dem gesamten Konzernvorstand um VW-Chef Oliver Blume vor, sich von einer höchst zweifelhaften politischen Figur, die gegen fast alle Unternehmenswerte verstoße, zum Werkzeug in deren Propaganda-Show machen zu lassen. Dass umgehend erste Vergleiche zur VW-Geschichte gezogen würden, spreche für sich. Es sei ein Spiel mit dem Feuer. Außerdem stehe der Auftritt im Gegensatz zu internen Leitlinien von Audi, die Döllner erst vor wenigen Monaten unterschrieben habe. Hier liege sicherlich ein klarer Verstoß vor.
Das Werk selbst sieht sie nüchterner
Zum Werk äußert sich Cavallo differenzierter. Rein betriebswirtschaftlich könne es Sinn ergeben: Der US-Markt zähle zu den größten und lukrativsten der Welt, der Marktanteil von VW sei dort noch immer zu klein, die Zölle unter Trump kosteten den Konzern Milliarden. Vieles spreche für eine stärkere Fertigung in den USA. Zugleich verweist sie darauf, dass die Zustimmung des Aufsichtsrats noch aussteht. Ob man der Option für den Neubau am Ende zustimmen werde, sei offen. Innerbetrieblich stelle sie klare Bedingungen, welche genau, geht aus den vorliegenden Meldungen nicht hervor.
Hintergrund: Streit um Audis Deutschland-Standorte
Die Debatte um das US-Werk läuft vor dem Hintergrund eines Sparkurses. Audi will in Deutschland bis zu 7.500 Stellen abbauen, besonders in Neckarsulm und Ingolstadt ist man besorgt. Die Arbeitnehmerseite hatte schon früher verlangt, dass ein US-Werk nicht zulasten der deutschen Standorte gehen dürfe. IG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte am Wochenende erklärt, den US-Markt mit einem eigenen Werk besser zu erschließen sei richtig und notwendig. Auch eine SPD-Politikerin hatte den Auftritt Döllners mit Trump scharf kritisiert.
Wie es weitergeht
Eine Stellungnahme von Döllner, Blume oder dem Aufsichtsrat zu Cavallos Aussagen lag in den vorliegenden Berichten nicht vor. Der VW-Aufsichtsrat, in dem Arbeitnehmer- und Kapitalseite gleich stark vertreten sind, muss über den Bau entscheiden. Cavallo gilt dort als einflussreichste Vertreterin der Beschäftigten. Entscheidend wird sein, ob die Beschäftigten für ihre Zustimmung Zusagen für Deutschland bekommen.
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